edition: plattes-land

 
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Christel Gewitzsch
Ruthenhiebe und Lebenshülfe
Polizeiarbeit im Amt Bork 1815 - 1866
ISBN 978-3-00-045700-5, 154 Seiten, 15 Abbildungen, 16,00 Euro

Schutz der Person und des Eigentums, Erhalt der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, Wohlfahrt für alle Untertanen, das waren 1815 die Versprechen, die der preußische Staat mit der Einführung des Allgemeinen Landrechts  (ALR) in der Provinz Westfalen den Bewohnern gab. Der zwanzigste Titel des zweiten Teils des Landrechts, der Von den Verbrechen und deren Strafen handelt, wurde erst am 1. Juli 1851 außer Wirksamkeit gesetzt, als das Gesetz über die Einführung des Straf-Gesetzbuchs für die Preußischen Staaten in Kraft trat.

Ein Verbrechen begeht nach dem ALR derjenige, der durch eine freie Handlung oder Unterlassung jemand widerrechtlich Schaden zufügt. Das Landrecht regelt das Vorgehen der Richter bei Fahrlässigkeit und Zufall, äußert sich zu mildernden Umständen und Verschärfung der Strafen, zu Wiederholungstätern und gemeinsam verübten Verbrechen. Als Bestrafung für die Straftäter kamen die körperliche Züchtigung, Ehren-, Geld-, Arrest-, Gefängnis-, Zuchthaus-, Festungshaft- und die Todesstrafe in Frage. Ab 1851 verzichtet man bei der Vollstreckung der Todesstrafe auf jegliches öffentliche Spektakel. Die Enthauptung mit dem Beil oder – im Linksrheinischen – mit dem Fallbeil fand innerhalb der Mauern des Gefängnisses  oder auf einem anderen abgeschlossenen Platze statt.

Die Polizeibehörde des Amtes Bork musste sich mit Mord- und Totschlag nicht häufig beschäftigen. Es kamen mehr Menschen durch Selbstmord und Unglücksfälle ums Leben. Doch immer dann, wenn ein Mensch nicht unter den Augen seiner Hausgenossen oder anderer unbescholtener Personen verstarb, mussten die Gerichte eingeschaltet werden, um sich über die Todesursache und eventuelles Fremdverschulden Klarheit zu verschaffen. Wegen Körperverletzungen und Streitigkeiten, oft unter Alkoholeinfluss, musste immer wieder ermittelt werden; Einbrüche und Diebstähle waren fast an der Tagesordnung; Bettler und Vagabunden mussten dingfest gemacht, bzw. in ihre Heimatgemeinden abgeschoben werden.

Polizei und Verwaltung waren nicht getrennt. Die lokale Polizeibehörde trat nicht nur als Zwangspolizei auf, sondern auch in der Rolle der Kultur- und Wohlfahrtspolizei und war unter anderem zuständig für die Erstellung von Bevölkerungslisten, die Förderung von Landwirtschaft, Gewerbe und Handel, die Sorge für die geistige Bildung des Volkes und die Aufsicht über Vergnügungen und alle Arten der Zerstreuung.

Das Buch Ruthenhiebe und Lebenshülfe legt in insgesamt elf Kapiteln den politischen Hintergrund und die staatlichen Regelungen dar, stellt das Personal für die Sicherung der Ruhe und Ordnung  vor und dessen Probleme und Handlungsmöglichkeiten bei der täglichen Arbeit. An zehn Fällen wird die Untersuchungsarbeit der Polizei verdeutlich, bevor einzelne Straftaten und Verstöße im Bereich des Amtes Bork aufgeführt werden. Mit je einem Kapitel über die Strafanstalten und zeitgenössischen Reaktionen auf den Anstieg der Kriminalität in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts endet das Buch.

 

Das Buch im Buchhandel erhältlich oder bei der Autorin unter info@plattes-land zu beziehen (auch wenn es "online" als derzeit nicht verfügbar gelistet wird).

 

 

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